Heute vor 25 Jahren geschah etwas, was man sich in diesen Tagen der “Eurokrise” und dem Führungsversagen von nationalen Regierungen kaum mehr vorstellen mag. Am 14. Juni 1985 beschlossen die Regierungen Frankreichs, der Niederlande, Belgiens, Luxemburgs und Deutschlands in einem kleinen Grenzort namens Schengen im Saar-Lor-Lux-Dreiländereck, die zwischenstaatlichen Grenzkontrollen zu beenden. Was damals mit dieser handvoll Länder begann, ist heute eine der Erfolgsgeschichten der Europäischen Union – und kaum einer weiß es noch zu würdigen.
So ist es kaum verwunderlich, dass heute eigentlich nur noch über all das berichtet wird, was noch nicht mit dem Schengen-Abkommen erreicht ist. Oder aber es wird (völlig zurecht) darauf verwiesen, dass Schengen heute zwar innereuropäische Reisefreiheit bedeutet, aber auch Abschottung nach außen und Visa-Pflicht für Menschen aus vielen Ländern, die in die EU einreisen wollen. Man mag nun sagen, dass doch genau das der Erfolg ist. Schengen ist heute so selbstverständlich für die Menschen in der EU, dass man gleich all das kritisiert, was noch besser werden muss. Das mag richtig sein.
Richtig ist aber auch, dass in diesen Tagen, in denen die Europäische Union von vielen als Teufels Werk dargestellt wird, das nur Bürokratie und Kosten mit sich bringe, man für einen Moment inne halten sollte und diesen Tag auch ein wenig würdigt. Der 14. Juni 1985 war historisch, denn an diesem Tage haben ehemals verfeindete Nachbarländer sich in einer zentralen Frage der nationalen Identität (nämlich in jener der Grenzen ihres jeweiligen Territoriums) gegenseitig das Vertrauen ausgesprochen und Schluß gemacht mit Schlagbaum und Passkontrolle. Auch damals gab es viele Ängste und Vorbehalte, doch die politisch Agierenden haben damals für ihre Vision geworben und sie hatten Recht damit – trotz der damaligen Ängste vieler.
Jean -Claude Juncker hat auf seiner Rede auf dem Grünen Bundesparteitag im Januar 2009 gesagt, dass er sich manchmal für vierzehn Tage die Grenzen zurückwünschen würde, damit alle einmal wieder sehen und fühlen könnten, wie es früher einmal war und sie wieder wert schätzen, was die Europäische Integration geleistet hat und heute mehr denn je vielleicht leistet. Recht hatte er damit.
Und deswegen: Herzlichen Glückwunsch, Schengen. Und in den nächsten 25 Jahren machen wir dich noch besser.