Nun also die Duschköpfe! Da will doch die Europäische Union nach der Glühbirne nun diesen so wichtigen Wasserspendern der täglichen Reinigung den Garaus machen. Wir alle sehen uns schon zukünftig unter einem kleinen Rinnsal beim morgendlichen Reingungsvorgang im Bad stehen, wie wir nach den einzelnen Tropfen hechten und das nur, weil die mal wieder so bürgerfernen “Eurokraten” nichts besseres zu tun gehabt sollen, als sich zu überlegen, wie sie uns weiter schikanieren können. Was für ein Schwachsinn!
Ich meine natürlich die Meldung, nicht das Vorhaben der EU! Dass man die gesetzliche Grundlage schafft, um mehr Energieeffizienz durchzusetzen, ist dieser Vorstoß so falsch? In Japan ist schon längst gang und gäbe, dass der aktuelle Energieeffizienz-Standard eines neuen, sparenden Elektrogeräts mittelfristig den Mindeststandard für alle setzt. “Toprunner-Prinzip” nennt man sowas und auch deutsche Politiker, nicht nur jene der Grünen, haben diesen Begriff in den letzten Monaten immer wieder mal in den Mund genommen. Worüber nun also die Aufregung?
Edmund Stoiber fordert nur, dass solche Eingriffe in den Alltag der Bürger wie bei Elektrogeräten oder Duschköpfen viel stärker mit ihnen diskutiert werden müssten, bevor sie beschlossen werden. Stellt sich nur die Frage: Wo war er denn, als die ganze Sache in den Europäischen Institutionen diskutiert wurde? Er beruft sich doch gerade wieder auf seine offizielle Funktion des “EU-Beauftragten für Bürokratieabbau”. Warum hat er denn den Mund nicht aufgemacht, als die entsprechende EU-Richtlinie diskutiert wurde? Versteht er etwa seinen Job so, dass er die anderen immer mal erst beschließen lässt und danach im Rosinenpick-Verfahren jene neuen Gesetze geißelt, die ihm persönlich nicht schmecken? Oder ist sein Vorgehen darin begründet, dass er bis heute in Brüssel quasi nicht existent ist, nichts zu melden hat und sich dafür gerne mal als Nörgler zu Hause medial rächt?
Aber auch losgelöst von der Attacke des wilden Edmund, ist dieser Vorstoß der EU grundsätzlich der richtige. Hat es wirklich mit “Öko-Diktatur” zu tun, wenn die Herstellen von Elektro und anderen Geräten dazu angehalten werden, immer neue und ressourcensparendere Geräte zu entwickeln? Deutschland und auch die EU geben Milliarden in Förderprogrammen dafür aus, dass beispielsweise Häuser immer besser wärmegedämmt werden. Macht es da nicht auch Sinn, wenn beispielsweise Fensterbauer angehalten werden, immer besser gedämmte Fenster zu entwickeln? Wenn die Produzenten von Duschköpfen sich kontinuierlich anstrengen, durch innovative Produkte ihren Beitrag beim Wasser- und Energiesparen zu leisten? Kann es wirklich sein, dass man zum Duschen heutzutage fast mehr Wasser verbraucht, als die Feuerwehr, die mit high-tech Hochdruck-Wirbellöschtechnik beispielsweise gerade einmal 34 liter Wasser benötigt, um einen Campingwagen zu löschen?
Sir Nicolas Stern schreibt in seinen weltweit anerkannten Publikationen über die Folgen des Klimawandels, dass die heutige Klimakrise das Sinnbild des Marktversagens ist. Die EU-Vorgaben stützen sich also nicht zuletzt auf diese Erkenntnis, wenn sie handelt und damit deutlich macht, dass sie den Glauben an einen freien Markt verloren hat und es schon selbst richten wird. Böse Zungen würden vielleicht auch sagen, dass die EU handelt, während andere lieber Propaganda machen, um gegen ihren eigenen Bedeutungsverlust anzukämpfen…
P.S.: Lieber Edmund Stoiber, wussten sie eigentlich schon, dass es bereits Duschköpfe im freien Verkauf gibt, die nicht nur Wasser, sondern auch Licht spenden, und total der Renner in deutschen Haushalten sind?